In welchem Land kann man am günstigsten spielen?

Dieselben Spiele, 39 Länder, 2.427 Preise. Die naheliegende Antwort heißt Ukraine — und sie ist falsch, jedenfalls für alle, die dort leben.

7 Minuten Lesezeit
Bildschirmfoto der Steam-Bestsellerliste im deutschen Store: Rangliste der meistverkauften Spiele mit Preisen in Euro.

Baldur's Gate 3 kostet in Deutschland 59,99 €. In der Ukraine kostet dasselbe Spiel 899 ₴, das sind 17,29 €. In Israel kostet es 269 ₪, also 77,60 €.

Gleicher Entwickler, gleicher Download, gleiche Server. Der Preis unterscheidet sich um den Faktor 4,5 — je nachdem, wo Steam den Käufer verortet.

Das wirft eine Frage auf, die sich mit öffentlichen Daten beantworten lässt: In welchem Land kann man am günstigsten spielen? Wir haben dafür 2.427 Einzelpreise erhoben — die 63 kostenpflichtigen unter den 100 meistgespielten Steam-Titeln, abgefragt für 39 Länder.

Die einfache Antwort

Vergleichbar wird das über einen festen Warenkorb: 41 Titel, die in allen 39 Ländern einen Preis haben, umgerechnet zum Tageskurs. Der Medianpreis dieses Korbs ist in der Ukraine am niedrigsten — 7,98 €. Dahinter folgen Indien mit 8,27 €, Indonesien mit 8,51 € und Russland mit 8,95 €.

Am oberen Ende steht Israel mit 21,34 €, davor die Schweiz mit 20,78 €. Auf Platz 3 der teuersten Länder der Welt: Deutschland, mit 19,99 €.

Damit könnte der Artikel enden. Er würde nur die falsche Frage beantworten.

Warum der Ladenpreis nichts sagt

Niemand sucht sich sein Land aus, um billiger zu spielen. Wer in Kiew lebt, verdient auch in Kiew. Die Frage ist deshalb nicht, wo die Preise niedrig sind, sondern wo ein Spiel wenig von dem kostet, was man hat.

Also haben wir den Medianpreis durch das rechnerische Stundeneinkommen geteilt: Bruttonationaleinkommen je Kopf laut Weltbank, umgelegt auf eine 40-Stunden-Woche. Das ergibt eine Zahl, die man sich vorstellen kann — wie lange man für ein Spiel arbeitet.

Balkendiagramm: Arbeitszeit für ein Spiel in 39 Ländern. Katar 25 Minuten, Deutschland 48 Minuten, Indien 7,3 Stunden, Ägypten 7,6 Stunden.
Dieselben Spiele, dieselbe Woche. Zwischen dem ersten und dem letzten Land liegt der Faktor 18.LYLA Media, Datengrundlage Steam und Weltbank

Am günstigsten spielt man in Katar: 25 Minuten. Es folgen Singapur mit 26, die Schweiz und Norwegen mit je 27, die USA mit 28 Minuten. Deutschland liegt bei 48 Minuten auf Rang 12 von 39.

Und die Ukraine, eben noch das billigste Land der Welt? 3,5 Stunden. Rang 32. Der niedrigste Preis des gesamten Datensatzes trifft auf eines der niedrigsten Einkommen.

Am längsten arbeitet man in Ägypten: 7,6 Stunden für ein Spiel, das in Katar nach einer Viertelstunde bezahlt wäre. Knapp davor liegt Indien mit 7,3 Stunden.

Der eigentliche Befund

Steam betreibt einen Aufwand, den kaum eine andere Plattform betreibt: 47 Währungen, eigene Preistafeln für Weltregionen, Verlage können jeden Titel je Region einzeln bepreisen. Regionale Preise gibt es also wirklich. Die Frage ist, wie weit sie reichen.

Streudiagramm: Bruttonationaleinkommen je Kopf gegen Medianpreis eines Spiels. Die Einkommen spannen sich über den Faktor 40, die Preise nur über den Faktor 2,7.
Jeder Punkt ein Land. Die Preisachse endet nach nicht einmal drei Verdopplungen — die Einkommensachse ist logarithmisch.LYLA Media, Datengrundlage Steam und Weltbank

Zwischen dem billigsten und dem teuersten Land unseres Datensatzes liegt der Faktor 2,7. Zwischen dem ärmsten und dem reichsten liegt der Faktor 40.

Am Einzelfall: Ein Schweizer verfügt über das 34-fache Einkommen eines Ägypters. Er zahlt für dieselben Spiele das Doppelte. Das ist keine Anklage, sondern eine Größenordnung — regionale Preisgestaltung gleicht einen Teil des Abstands aus, aber sie gleicht ihn nicht aus.

Die Region ist die Einheit, nicht das Land

Am 20. November 2023 hat Valve der Türkei und Argentinien die eigene Währung gestrichen. Guthaben in den Steam-Konten wurde am selben Tag zum Tageskurs in US-Dollar umgerechnet. Die Begründung des Unternehmens: Die Wechselkursschwankungen der vergangenen Jahre hätten es Entwicklern schwer gemacht, passende Preise zu wählen und aktuell zu halten.

Gleichzeitig entstanden zwei neue Preisregionen, LATAM-USD und MENA-USD, und 25 weitere Länder bekamen damit erstmals eigene Dollarpreise unterhalb der US-Preise. Für diese Länder war das eine Verbesserung. Der Nebeneffekt zeigt sich erst, wenn man nachrechnet.

Ägypten und die Türkei liegen beide in MENA-USD. In unserem Warenkorb kostet jeder einzelne der 41 Titel in beiden Ländern exakt dasselbe — 41 von 41, auf den Cent. Das türkische Bruttonationaleinkommen je Kopf ist allerdings 5-mal so hoch wie das ägyptische. Dieselbe Preistafel bedeutet in der Türkei 1,5 Stunden Arbeit und in Ägypten 7,6.

Nicht das Land bestimmt den Preis, sondern die Region. Wer in der ärmeren Hälfte einer Region lebt, zahlt den Preis der reicheren.

Wie stark Verlage das noch verschieben, zeigt der Vergleich der beiden Dollarregionen. Bei 34 der 41 Titel sind LATAM und MENA identisch, bei 7 nicht — und zwar in beide Richtungen. Elden Ring kostet in Argentinien 47,99 $ und in der Türkei 39,99 $. Bei Warhammer 40,000: Space Marine 2 ist es umgekehrt: 34,99 $ in Argentinien, 39,99 $ in der Türkei. Diese Entscheidungen trifft nicht Valve, sondern der jeweilige Verlag.

Russland: billig, aber unvollständig

Russland steht mit 8,95 € auf Rang 4 der niedrigsten Ladenpreise und rechnet weiterhin in Rubel. Die Zahl allein führt jedoch in die Irre, denn sie sagt nichts darüber, was man dort überhaupt kaufen kann.

Von den 63 kostenpflichtigen Titeln unserer Liste sind in Russland nur 45 erhältlich. 18 fehlen, darunter Cyberpunk 2077, The Witcher 3, Red Dead Redemption 2, Battlefield 6, EA Sports FC 26, Grand Theft Auto V Enhanced, Forza Horizon 6, NBA 2K26, Civilization VI und Monster Hunter Wilds.

Ebenfalls nicht erhältlich: S.T.A.L.K.E.R. 2, entwickelt in Kyjiw. Ein niedriger Medianpreis über einen Katalog, dem ein knappes Drittel fehlt, ist kein günstiger Markt. Er ist ein kleinerer.

Der deutsche Sonderfall

Ein Vollpreisspiel kostet in Deutschland 59,99 € und in den USA 59,99 $. Da der Euro mehr wert ist als der Dollar, sieht das nach einem Aufschlag aus, und es wird regelmäßig auch so berichtet. Es stimmt aber nicht.

Steams eigene Steuerdokumentation ist an dieser Stelle eindeutig: Steam-Preise enthalten die Mehrwertsteuer in allen Ländern, in denen sie erhoben wird. Die US-amerikanische Sales Tax dagegen wird auf den Steam-Preis aufgeschlagen — der angezeigte Betrag ist dort nicht der Endbetrag.

Rechnet man die 19 % deutsche Mehrwertsteuer heraus, bleiben 50,41 €. Der amerikanische Listenpreis entspricht zum Tageskurs 51,46 € — und darauf kommt die Verkaufssteuer des jeweiligen Bundesstaates noch obendrauf. Netto zahlen deutsche Käufer also rund 2 % weniger als amerikanische, nicht mehr.

Warum das keine Einkaufsanleitung ist

Die naheliegende Reaktion auf eine solche Tabelle ist, das Ladenland zu wechseln. Das funktioniert nicht ohne Weiteres: Steam knüpft das Ladenland an eine Zahlungsmethode aus diesem Land, bestätigt den Wechsel erst mit einem tatsächlichen Kauf darüber und gleicht ihn mit dem Standort ab. Guthabenkarten reichen dafür nicht.

Wir haben die Preise über den öffentlichen Länderparameter der Steam-Schnittstelle abgefragt — dasselbe Verfahren, mit dem der Store selbst entscheidet, was er anzeigt. Was der Store zeigt, und was man kaufen darf, sind zwei verschiedene Dinge.

Was diese Zahlen nicht sind

Die größte Schwäche der Rechnung steckt im Nenner. Das Bruttonationaleinkommen je Kopf ist ein Durchschnitt über die gesamte Bevölkerung, keine Lohnangabe — Kinder und Rentner zählen mit. Vor allem aber ist die Steam-Kundschaft eines armen Landes nicht dessen Durchschnitt: Wer sich in Indien einen Spiele-PC leisten kann, verdient deutlich mehr als 2.760 Dollar im Jahr. Die 7,3 Stunden überzeichnen also, was ein tatsächlicher indischer Käufer erlebt. Für den Vergleich zwischen Ländern bleibt die Größenordnung dennoch aussagekräftig, weil derselbe Fehler überall in dieselbe Richtung wirkt.

Auch die 40-Stunden-Woche ist eine Rechengröße und keine Messung. Sie macht die Zahlen anschaulich, nicht genauer.

Erhoben haben wir Normalpreise, keine Aktionspreise — während der Erhebung lief Red Dead Redemption 2 mit 75 % Rabatt, was jeden Vergleich verzerrt hätte. Die Umrechnung nutzt die Kurse eines einzigen Tages, die Preise stammen vom 28. August 2026.

Der Warenkorb besteht aus den 41 Titeln, die in allen 39 Ländern einen Preis haben. Das sind populäre Spiele; kleinere Titel werden teils anders bepreist. Taiwan fehlt in der Auswertung, weil die Weltbank für das Land keine Einkommensdaten führt. Und nur beim deutsch-amerikanischen Vergleich haben wir die Mehrwertsteuer herausgerechnet — die Ländertabelle zeigt durchgehend Ladenpreise, wie sie im Store stehen.

Was bleibt

Die Antwort auf die Titelfrage lautet Katar, und sie ist wenig aufregend: Wo die Einkommen am höchsten sind, kostet ein Spiel am wenigsten Lebenszeit. Der interessantere Teil steckt im Abstand dahinter.

Steam hat mehr regionale Preisdifferenzierung als fast jede andere Plattform, und trotzdem endet sie beim Faktor 2,7, während die Einkommen um den Faktor 40 auseinandergehen. Ein Spiel ist in Ägypten nicht deshalb teuer, weil jemand es dort teuer gemacht hätte. Es ist teuer, weil eine Preistafel für eine ganze Weltregion gilt und Ägypten in dieser Region unten steht.

Das billigste Spiel bleibt am Ende ohnehin ein anderes: 31 der 100 meistgespielten Titel auf Steam kosten beim Einstieg nichts. Was sie stattdessen kosten, ist eine eigene Rechnung.

Zur Datengrundlage

Preise aus der öffentlichen Steam-Store-Schnittstelle (appdetails) über deren Länderparameter, Titelauswahl aus ISteamChartsService/GetMostPlayedGames, beides ohne Zugangsschlüssel abrufbar, erhoben am 28. August 2026. Wechselkurse vom selben Tag. Einkommen: Bruttonationaleinkommen je Kopf nach der Atlas-Methode, Weltbank, Stand 2025. Zur Währungsumstellung in der Türkei und Argentinien: Ankündigung von Valve für Steamworks-Partner vom Oktober 2023. Zur Mehrwertsteuer: Steamworks-Dokumentation, Abschnitt Steuern.